NEXTEX St. Gallen
7.März – 4. April
DAF kommt CHE
Die DAF kommt in die Schweiz, fährt drei mit Equipment und Nahrung beladenen Autos und 24 neugierigen Ohren nach Birli nahe St. Gallen. In Nürnberg trennen sich bereits die Wege, jedes KFZ bildet seine eigene Zeitkapsel, die sich nicht zu bewegen scheint, hingegen wandert die Umgebung um den eigenen Mittelpunkt. Man legt Strecke zurück, legt Zeit zurück und bleibt gleichzeitig still auf seinem Platz und wartet.


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Der Motor aller drei Autos wird während der kompletten Fahrt mit Piezo (Kontakt) Mikrofonen aufgenommen. Die Geschwindigkeit wird über die Eigenfrequenz des Motors auf einen akustischen Fahrtenschreiber geschrieben, der nun als Dokument der Fahrt und damit der Strecke Nürnberg – St. Gallen dient. Ein Dokument, das sich wahrheitsgemäß nur über die eigene Wiedergabe erfassen lässt, was dann wiederum der Zeit der Fahrt entspricht.
Dieser Prozess wird im Innenraum der Nextex Galerie St. Gallen nachvollzogen. Auf drei separat bespielten Lautsprechern werden die drei Klänge der Motoren zeitgleich abgespielt. Pausen auf den Aufnahmen bedeuten Pausen in der Strecke nach St. Gallen. Die Nextex Galerie, eine alte italienische Botschaft, schließt an einen Innenhof mit diversen zeitgenössischen Hochbauten an. Allesamt deutlich höher als die alte Botschaft, die wie ein Restfleck Geschichte in dem Betonskelett der Banken und Verwaltungskomplexe der neuen Moderne steht.

Die drei Autos haben sich nun Parkplätze in diesem Innenhof gesucht, besetzen als Akteure indexikalisch den unbelebten Platz. Ihre leuchtenden Scheinwerfer strahlen Richtung Galeriefenster und werfen den Abdruck der vergitterten Fenster an die weißen Innenwände. Die Autos laufen. An jedem Auspuff ist eine luftdichte Membran angebracht, die den verbrannten Treibstoff auffängt. Es nieselt leicht, einzelne Schneeflocken bedecken die Folie, die trotz des Gewichtes langsam beginnt, sich aufzubauen. Die Formen sind organisch, leicht transparent. Nahezu vier Stunden dauert es bis die 60m³ großen Taschen mit den giftigen Abgasen befüllt sind. Die Membran ist so leicht, dass jeder Windstoß sichtbar wird. Nur eine hauchdünne Folie trennt das toxische Innenleben und die frische Außenluft vorhanden. Eine abjekte Synthese aus dem Schönen und dem Morbiden der Skulpturen. Ab einer gewissen Größe beginnen sich die Blasen von ihren Erzeugern zu lösen. Der Wind trägt die Skulpturen und sie liegen im Innenhof. Das Auto wird nun ausgeschaltet und die Lichter erlöschen.

Geht der Besucher aus der Ausstellung in den Innenhof wird er konfrontiert mit dem imaginierten Volumen des Tondokuments und dem realen Volumen des Außenraums. Die Aufzeichnung der Fahrt, in der Dauer gleich lang wie das Aufblasen der Membranen, verweist auf die zeitliche Dimension der Bewegung und auf die Reise. Die DAF wird nur über das Medium der drei Autos inszeniert, ist aber dennoch essenzieller Bestandteil der Performance. Denn erst durch den Rückschluss auf die An- und Abfahrt verwandelt sich die Installation in einen Prozess und greift auf die Beständigkeit und Energie des Kollektivs zurück.

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